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Neopaganismus
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Neopaganismus (von lateinisch paganus ‚heidnisch‘) oder Neuheidentum bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert aufgekommene religiöse und kulturelle Strömungen, die sich vor allem an antikem, keltischem, germanischem und slawischem Heidentum sowie an außereuropĂ€ischen ethnischen Religionen orientieren.

Die Zahl der AnhĂ€nger neopaganer Weltanschauungen ist statistisch schwer zu ermitteln, da diese hĂ€ufig nicht in großen Organisationen zusammengefasst sind.cite-ref-1[1] Die SchĂ€tzungen gehen von mehreren Millionen weltweit aus. Wicca und verwandte Bewegungen sind nach unterschiedlichen SchĂ€tzungen von mehreren Tausend mit bis zu 100.000 AnhĂ€ngern in Deutschland die grĂ¶ĂŸte neuheidnische Richtung.cite-ref-remid-2-0[2] Um das Jahr 1990 wurde die Zahl der Wicca-AnhĂ€nger auf mehr als 200.000 in den USA, 30.000 in Großbritannien und weltweit auf 800.000 geschĂ€tzt.cite-ref-adherents1-3-0[3]

Contents

‱ Begriff
‱ Geschichte
‱ Musik
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriff

Der Begriff „neopagan“ kam zuerst im englischen Sprachraum des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Philhellenismus und der Romantik auf.cite-ref-w-james-4-0[4] So wurde „neo-paganism“ im Neoklassizismuscite-ref-j-a-symonds-5-0[5] und als Einfluss in der Malerei der PrĂ€raffaeliten wahrgenommen.cite-ref-j-mccarthy-6-0[6] Literarische Kreise verwendeten den Begriff, so zum Beispiel die „Grantchester Group“ um Rupert Brooke, die von der Dichterin Virginia Woolf „Neo-Pagans“ genannt wurde, der britische Abgeordnete Frank Hugh O’Donnell benutzte 1904 den Begriff „Neopagan“ abschĂ€tzig fĂŒr die Arbeiten von William Butler Yeats, dem er vorwarf, die keltische Religion wiederbeleben zu wollen.cite-ref-o-donnell-f-hugh-7-0[7] Als Selbstbezeichnung von Neopaganisten trat seit den 1960er Jahren der Begriff „Pagan“ in den Vereinigten Staaten in Zusammenhang mit der neuen Hexenbewegung auf,cite-ref-adler-margot-8-0[8] die Selbstbezeichnung „Neopagan“ analog zu „Pagan“ fand erstmals 1967 im Zusammenhang mit der amerikanischen „Church of all worlds“ und dem Green Egg Magazine Verwendung.cite-ref-adler-margot-8-1[8]

Der deutsche Begriff Neuheidentum wird verschiedentlich gleichbedeutend mit Neopaganismus verwendet – in einigen FĂ€llen aber – vor allem jedoch im angloamerikanischen Raum, wird die Entsprechung „Heathenry“ oder „Heathenism“ speziell fĂŒr AnhĂ€nger der neugermanischen Ausrichtungen verwendet, um sich von AnhĂ€ngern der Wicca-Religion oder neokeltischen Strömungen abzugrenzen.cite-ref-9[9] Mitunter werden beide Begriffe, Neopaganismus und Neuheidentum, auch als pejorative Fremdbezeichnungen völlig abgelehnt, so vom Hellenismos und einigen altheidnisch-germanischen und neokeltischen Gruppen. Als Eigenbezeichnung favorisieren diese, wie auch Teile der Wicca-Bewegung, den Begriff „Alte Religion“ oder „Naturreligion“ (nicht zu verwechseln mit dem â€žĂŒberholten Fachbegriff Naturreligion“, der jedoch trotzdem nach wie vor als Synonym fĂŒr die traditionellen Religionen schriftloser Kulturen verwendet wird).

Heute versteht man unter Neopaganismus oder Neuheidentum in Abgrenzung vom Àlteren Heidentum im engeren Sinn neue religiöse Bewegungen, die sich an bestimmten Glaubensvorstellungen und Mythologien alter Kulturen orientieren wie:

‱ abchasische Religion: Abchasischer Neopaganismus
‱ altestnische Religion: „Taaraismus“ (taarausk), „Maausk“
‱ altfinnische Religion: „Suomentum“ (suomenusko)
‱ altungarische Religion: „Ɛsmagyar Vallás“
‱ armenische Religion: „Arordi“
‱ aztekische Religion: „Mexicayotl“
‱ baltische Religion: „Romuva-Kirche“
‱ baskische Religion: „Sorginkoba“
‱ germanische Religion: „Heidentum“ („ÁsatrĂș“, „Odinismus“, „Theodismus“, Ariosophie)
‱ altgriechische Religion: „Hellenismos“ oder „Dodekatheismus“, manche Formen des Epikureismus, Platonismus und Neuplatonismus, Pythagoreer#Lehren und Legenden und der Stoa
‱ Indogermanische Religion: „Perístanom“cite-ref-10[10]
‱ marische Religion: Marischer Neopaganismus
‱ Mesopotamischer Neopaganismus oder sumerische Religion: „Zuismus“, „Kaldanismus“
‱ mordwinische Religion: „Mastorava“
‱ phönizische Religion bzw. kanaanitische Religion: „Zuismus“, „Natib Qadish“
‱ römische Religion: „Religio Romana“
‱ rumĂ€nisch-dakisch-thrakische Religion: „Zalmoxianismus“
‱ skythische Religion: „Uatsdin“
‱ slawische Religion: „Rodismus“, „Rodnovera“
‱ tengristische Religion: „Ayy“, „Burkhanismus“, „Vattisen Yaly“
‱ tscherkessische Religion: „Adyghe Habze“
‱ udmurtische Religion: „Udmurt Vos“

Hinzu kommen aber auch neue Religionen wie die verschiedenen modernen Formen des Hexentums (Wicca, „Dianic“, „Aradia“, „Feri“), die teilweise ebenfalls als neopagan zu betrachten sind, die moderne GöttinnenspiritualitĂ€t („Pandea“, „Gaia-Religion“), die linkspolitische „Reclaiming Tradition“, pantheistische Gruppen wie die „Church of all worlds“. Historisch gab und gibt es auch immer wieder Überschneidungen zwischen neopaganen Gruppen und okkultistischen Strömungen wie Aleister Crowleys Thelema, dem Luziferianismus, dem Temple of Set und anderen Lehren, die sich vornehmlich aus Elementen von Gnosis, Alchemie, Astrologie, Kabbala und Hermetik speisen, aber teilweise auch zumindest neopagane EinflĂŒsse aufweisen, vornehmlich Elemente aus altgriechischer und altĂ€gyptischer sowie semitischen Religionen. Der Neoschamanismus synkretisiert teilweise asiatische und indianische Elemente mit alteuropĂ€ischen Symbolen und entwickelt sie zu neuen Formen („keltischer Schamanismus“, neugermanischer „Seiðr“). Einige Neopaganisten schließen sich auch Strömungen an, die eine Variation christlicher Religion darstellen, wie dem Zusammenschluss der nordamerikanischen Unitarier und Universalisten zur Unitarian Universalist Association. So existiert eine eigene heidnisch-unitarische Strömung der „Covenant of Unitarian Universalist Pagans“.cite-ref-jmg501-11-0[11]

Eine ironische Brechung erfÀhrt der Neopaganismus in halbsatirischen Religionen oder Religionsparodien wie dem Diskordianismus, dem Jediismus oder der Kirche der heiligen Vagina.cite-ref-12[12]

Überblick

Die Begriffe „neopagan“ und „Neuheide“ werden heute teils als Selbstbezeichnungen verwendet, teils aber auch als abwertende Fremdbezeichnungen angesehen und abgelehnt. Obwohl die esoterisch-neureligiöse Bewegung eine Vielzahl unterschiedlicher und eigenstĂ€ndiger – oft polytheistischer – Richtungen aufweist, bezeichnen sich deren AnhĂ€nger hĂ€ufig bewusst als Heiden, um damit ihre gemeinsame (religiöse) Gruppen-IdentitĂ€t als Gegenpol zur christlich-jĂŒdischen Tradition bzw. auch zu allen Weltreligionen und dem â€žĂŒberzeugten Unglauben“ hervorzuheben.cite-ref-13[13] Nach Otto Bischofsberger habe das Christentum â€žĂŒber Jahrhunderte das Heidentum ausgegrenzt und dĂ€monisiert“.cite-ref-bischofsberger1996-bischofsberger-11-14-0[14] Abgelehnt werden vor allem der Dogmatismus und die (angebliche) Lebensfeindlichkeit der jĂŒdisch-christlichen Tradition.cite-ref-bischofsberger1996-einf-15-0[15]

Neuheiden leben zumeist in den westlichen Industriestaaten. Über den Bezug zum „Heidentum“ grenzen sie sich von Revitalisierungsbewegungen indigener Religionen anderer LĂ€nder ab. FrĂŒhe Vertreter waren Intellektuelle, Literaten und KĂŒnstler. Dem Neopaganismus werden mittelbar EinflĂŒsse auf die westliche (PopulĂ€r-)Kultur Ende des 19. wie im 20. Jahrhundert zugeschrieben. Er wurde und wird auch von einzelnen rechts- und linksgerichteten politischen Strömungen rezipiert.

Der Neopaganismus wird von seinen AnhĂ€ngern als Wiederbelebung (Revitalisierung) ethnisch-vorchristlicher Religionen gesehen, die aufgrund der christlichen Missionierungen, der Christianisierung und Zwangstaufen – teils verfolgt und gewalttĂ€tig – untergingen. Die neuheidnischen Lehren und Praktiken werden von ihren AnhĂ€ngern sowohl als „Urreligion“ der Menschheit als auch als Religion fĂŒr die Zukunft betrachtet.cite-ref-bischofsberger1996-einf-15-1[15] Da es nahezu keine historischen Aufzeichnungen aus der Zeit des vorchristlichen Europas gibt, werden unter anderem nordische und keltische Mythen, MĂ€rchen und Sagen als Quellen herangezogencite-ref-16[16] sowie auf Traditionen und exotische Rituale der „Naturreligionen“. Besonders asiatische, indianische und keltische Elemente werden aufgegriffen und – hĂ€ufig ohne RĂŒcksicht auf den historischen oder geographischen Kontext – den eigenen Vorstellungen angepasst. Demnach ist eine authentische Rekonstruktion untergegangener Religionen nicht möglich, sondern im besten Fall nur eine Quellen interpretierende „spirituelle RĂŒckbindung“.

Die Flut an Veröffentlichungen und Kursen ermöglicht es den dafĂŒr aufgeschlossenen Menschen, eine Vielzahl von neuheidnischen Ideen zu konsumieren, ganz individuell zusammenzustellen und zu verĂ€ndern.cite-ref-17[17] In der Szene finden sich auch etliche Vertreter indigener Gruppen, die ihr „archaisches Wissen“ gewinnbringend an neue Heiden verkaufen. Viele dieser Neoschamanen werden in ihrer Heimat nicht als religiöse AutoritĂ€ten anerkannt und beispielsweise in Nordamerika abwertend als Plastikschamanen betitelt.cite-ref-18[18] DarĂŒber hinaus sind auch ihre Kenntnisse der eigenen Überlieferungen im Zuge der hĂ€ufig zwangsweisen christlichen Missionierung unvollstĂ€ndig, so dass sie vielfach auf jĂŒngere Entwicklungen (siehe beispielsweise Native American Church) aufbauen, die jedoch ihrerseits schon synkretistische Mischreligionen aus verschiedenen ethnischen und christlichen Elementen sind.

Aussagen und Ziele

Zentral fĂŒr den Neopaganismus sind folgende Selbstaussagen und Ziele, die von vielen – aber in ihrer Gesamtheit nicht notwendigerweise von allen – Gruppen geteilt werden:

‱ Erleben der KrĂ€fte der Natur, die sich in Gestalt der Göttinnen und Götter anrufen lassen und auch dem einzelnen GlĂ€ubigen erkennbar sindcite-ref-autogenerated1-19-0[19]
‱ Besondere Bedeutung des weiblichen Prinzips, zum Beispiel weit verbreitete Verehrung weiblicher Gottheitencite-ref-autogenerated1-19-1[19]
‱ Abwendungen von einer Priesterreligion, Betonung des direkten Glaubenserlebnisses und dezentrale Organisationsformcite-ref-autogenerated1-19-2[19]
‱ Kein dogmatisches Glaubensbekenntnis, stattdessen individualisiertes Erleben von GlĂ€ubigkeit und Vielfalt gleichberechtigter Kultecite-ref-autogenerated1-19-3[19]
‱ Möglichst naturnahe Lebensweise in einer hoch technisierten Zivilisationcite-ref-autogenerated1-19-4[19]
‱ Schutz von Umwelt und Mitlebewesencite-ref-autogenerated1-19-5[19]
‱ Bezug auf germanisches, keltisches, wendisches Neuheidentum. DarĂŒber hinaus fĂŒhlen sich Neuheiden besonders den noch praktizierten „Stammesreligionen“ anderer Kontinente, aber auch animistischen Strömungen im Hinduismus, dem Shintoismus in Japan und anderen verbunden
‱ Betonung der Freiheit des Einzelnen
‱ WertschĂ€tzung von Kunst und KreativitĂ€t, so Aufnahme alter Kulturtechniken, HandwerkstĂ€tigkeiten etc. im Rahmen des Reenactment, zum Beispiel bei Wikinger- und MittelaltermĂ€rkten; intensives Musikbewusstsein (Musikhören, Musikmachen, Musikerleben)cite-ref-autogenerated1-19-6[19]
‱ Kritik an monotheistischen, hierarchischen und dogmatischen Religionen wie dem Christentumcite-ref-20[20]

Das Spektrum der Mitglieder von neuheidnischen Gruppierungen ist heterogen. Es gibt bislang nur wenige einheitliche, umfassende Organisationen oder Institutionen, in der sich die verschiedenen Religionen vereinigen. Einige sind zum Beispiel die Kulturgeister e. V., der Rabenclan oder die Pagan Federation International.

Gottheiten im Neopaganismus

Innerhalb des Neopaganismus existieren viele unterschiedliche Konzepte des Göttlichen. HĂ€ufig wird vor allem dem Pantheismus (Welt = Gott) ein großer Einfluss auf den Neopaganismus zugesprochen oder generell dem Pantheismus eine neopagane Tendenz bescheinigt.cite-ref-21[21] Strömungen, welche die Götter lediglich als Allegorien, Bilder, Prinzipien, Verkörperungen von NaturkrĂ€ften oder Sinnbilder auffassen, können als prinzipiell atheistisch angesehen werden,cite-ref-22[22] andererseits lassen sich neopagane Strömungen, in denen die reale Existenz der Gottheiten weder bejaht noch verneint wird, als agnostisch bezeichnen.cite-ref-23[23] WĂ€hrend in der GöttinnenspiritualitĂ€t oder Wicca der Kosmos bzw. die Erde mehr oder weniger mit dem Göttlichen identifiziert wird, sind andere Richtungen wie ÁsatrĂș prinzipiell kosmotheistisch und die Götter sind nicht allmĂ€chtig, sondern prinzipiell wie der Mensch den Gesetzen des Universums unterworfen.

Einige Beispiele:

‱ Hexentum und Wicca: Der Wicca-Glaube wird manchmal, aufgrund seiner Ausrichtung auf die Verehrung von Gott und Göttin, als „Duotheismus“ oder „Bitheismus“cite-ref-religioustolerance-org-24-0[24] bezeichnet, in der Praxis kann sich dieser jedoch unterschiedlich auswirken, von pantheistischencite-ref-25[25] oder monistischen Konzepten bis hin zu Polytheismus und Henotheismuscite-ref-26[26] und, wo die Götter primĂ€r als Prinzipien aufgefasst werden, sogar als Form von Atheismus.cite-ref-religioustolerance-org-24-1[24]
‱ GöttinnenspiritualitĂ€t: Innerhalb der Gaia-Religion oder Pandea existieren sowohl monotheistische als auch polytheistische Sichtweisen.cite-ref-27[27] Teilweise wird die Göttin auch mit dem weiblichen Selbst identifiziert.
‱ Keltische Religion: Der keltische Rekonstruktionismus betrachtet sich selbst als polytheistische und animistische Religion,cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] das Druidentum hingegen hat seine Wurzeln in universalistischen und pantheistischen Glaubensvorstellungencite-ref-30[30], ist heute jedoch auch polytheistischen, duotheistischen oder monistischencite-ref-31[31] Vorstellungen gegenĂŒber aufgeschlossen.cite-ref-32[32] Der OBOD nimmt sogar explizit Christen und Buddhisten in seine Reihen auf.
‱ Germanische Religion: Asatru und der Theodismus verstehen sich vor allem als polytheistische Religionen,cite-ref-33[33]cite-ref-34[34] wobei im ÁsatrĂș mit dem Konzept des „Fulltrui“ auch henotheistische Tendenzen bestehen.cite-ref-35[35] Die Ariosophie hingegen ist monotheistisch ausgerichtetcite-ref-36[36] oder im Spezialfall sogar agnostisch, wenn ein besonderer Gottesbezug gar keine Rolle mehr spielt.cite-ref-37[37]
‱ Thelema: Da in Thelema das Göttliche zumeist mit dem Ich identifiziert wird, betrachtet sich Thelema oft als atheistische Lehre, den Göttern kommen hierbei lediglich Rollen als Prinzipien zu.cite-ref-38[38]
‱ Diskordianismus: Der Diskordianismus hat seine Wurzeln im Atheismus, wobei mittlerweile jedoch einige AnhĂ€nger begonnen haben, Diskordia als reale Göttin zu begreifen.cite-ref-39[39]

Einen großen Einfluss auf den Neopaganismus hatten auch die Theorien des Psychologen Carl Gustav Jungcite-ref-40[40], welcher die verschiedenen Gottheiten als Archetypen der Seele aller Menschen interpretierte. C. G. Jung wird in vielen Strömungen, wie zum Beispiel Wicca, rezipiert:cite-ref-41[41] So wird sein Mutterarchetyp mit der Göttin und der Vaterarchetyp mit dem Gott identifiziert und sogar Jungs Theorie selbst ein inhĂ€renter Paganismus attestiert.cite-ref-42[42] Andererseits gibt es jedoch auch scharfe Ablehnungen einer reinen Betrachtungsweise der Götter als Teilen der menschlichen Seele.cite-ref-43[43]

Viele Neuheiden lehnen allerdings diese theologischen Spekulationen rundweg ab. Wie in den antiken Religionen haben fĂŒr sie ein bestimmtes Bekenntnis und ein Set von Dogmen keine besondere Relevanz in der Praxis. Viel wichtiger ist ihnen richtiges Handeln, also dass Kulthandlungen sorgfĂ€ltig und ehrfĂŒrchtig durchgefĂŒhrt werden.cite-ref-44[44]

Geschichte

Renaissance und Humanismus

Die Wurzeln des Neopaganismus reichen zurĂŒck bis in die Renaissance, als antike Mythologie und Philosophie wiederentdeckt wurden.cite-ref-john-michael-greer-45-0[45] Dezidiert antichristliche Positionen vertrat der byzantinische Philosoph Georgios Gemistos Plethon, der eine zweite platonische Akademie grĂŒndete und auf neuplatonischer Basis die alte griechische Religion wiederbeleben wollte. Mit dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 wurden viele antike Texte erstmals im Westen Europas bekannt, so erfuhr durch die Rettung des Corpus Hermeticum die Hermetik eine Wiederbelebung ebenso wie die Astrologie, und das Tarot-Spiel kam erstmals auf, das heute noch in Okkultismus und Teilen des modernen Hexentums eine große Rolle spielt.cite-ref-bbc-46-0[46] Wegen ihrer BeschĂ€ftigung mit den antiken heidnischen Philosophen wurde vielen Humanisten vorgeworfen, „Heiden“, insbesondere Epikureer, zu sein. TatsĂ€chlich lĂ€sst sich dieser Vorwurf zumeist nicht erhĂ€rten, obgleich viele Humanisten der Kirche kritisch gegenĂŒberstanden und insbesondere die klassischen Gottheiten hĂ€ufig in allegorischer Form ErwĂ€hnung fanden. Bei einigen Humanisten wie dem stark von Neuplatonismus geprĂ€gten Michael Marullus oder Giovanni Pico della Mirandola kann man Formen von Naturverehrung und Pantheismus finden.cite-ref-47[47]

18. und 19. Jahrhundert

WĂ€hrend der französischen Revolution wurde der Versuch unternommen, vom Christentum losgelöste kĂŒnstliche Revolutionskulte zu schaffen, die teilweise von antikem Gedankengut beeinflusst waren, so unter anderem den Kult der Vernunft, in dem eine allegorische Göttin Vernunft angebetet wurde (die u. a. Maximilien de Robespierre mit der Göttin Isis identifizierte), und den deistischen Kult des höchsten Wesens. Vor allem im Zeitalter der Klassik und Romantik griffen Dichter und Philosophen die griechisch-römischen Mythologien wieder auf. Der britische Neuplatoniker Thomas Taylor, der das Christentum offen ablehnte, forderte eine Wiederbelebung heidnischer SpiritualitĂ€t und platonischer Theurgie und löste die neuheidnische Bewegung des 19. Jahrhunderts aus.cite-ref-48[48] Auf der Suche nach frĂŒhen Wurzeln der eigenen Nationaldichtung begannen sich zunĂ€chst in Großbritannien Dichter und KĂŒnstler den Druidenorden anzuschließen, deren anfĂ€nglich pantheistische, universalistische Ideen mehr und mehr von keltischer Mythologie beeinflusst wurden. Die „GesĂ€nge des Ossian“, ein Werk des Schotten James Macpherson (1736–1796), lösten eine ganze Reihe von Nachdichtungen angeblich uralter Nationalepen aus. Von der heidnischen Dichtung bewegten sich in England einige Vertreter der Neo-Pagans zur heidnischen SpiritualitĂ€t weiter. So war der englische Dichter Thomas Jefferson Hogg dafĂŒr bekannt, bei sich zuhause Zeremonien zu Ehren der griechischen Götter abzuhalten; der Historienmaler Edward Calvert opferte dem Gott Pan und errichtete ihm einen Altar.cite-ref-ronald-hutton-49-0[49]

Zu weiteren bekannten Persönlichkeiten, die sich in jener Zeit einem Gemisch aus Romantik, Mythologie und Okkultismus widmeten, gehörten unter anderem William Butler Yeats, Maud Gonne und Arthur Edward Waite. Eine große Rolle spielten im Heidentum, vor allem die hellenistische Religion, und pantheistische Ideen im Werk Johann Wolfgang von Goethes,cite-ref-50[50] zeitweise auch in dem Heinrich Heines.cite-ref-51[51] Auch im Werk Friedrich Nietzsches wird mitunter eine pagane Tendenz gesehen, vor allem in seinem Werk Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, in welchem er die RĂŒckkehr der Götter Apollon und Dionysos verheißt.cite-ref-52[52]

WĂ€hrend britische Romantiker sich so neben antiker Religion und Philosophie auch dem keltischen oder fĂ€lschlich als keltisch missverstandenen Erbe wie Stonehenge widmeten, begann die deutsche SpĂ€tromantik, Jacob Grimms „Deutsche Mythologie“ und Johann Gottfried Herders Idee von einem Volksgeist missverstehend, ein „teutonisches Heidentum“ zu rekonstruieren. Parallel dazu entwickelte sich im slawischen Bereich die „Rodnoverei“-Bewegung, ein national-romantisches, teilweise panslawisches Neuheidentum, sowie im baltischen Raum die romantisch-neuheidnische Romuva-Kirche. Auch die in Skandinavien vorherrschende Strömung der Nationalromantik wies durch Konzentration auf vorchristliche Überlieferungen wie die finnische Kalevala neopaganistische ZĂŒge auf.

Die Wiederentdeckung vermeintlicher vorchristlicher Traditionen wurde durch staatliches Propagieren einer neuromantischen Heimatkultur unter anderem in der PopulĂ€r- und Volkskultur im Wiedererstarken von Faschings- und FasnetsbrĂ€uchen rezipiert, die im Wesentlichen ein Produkt des spĂ€ten 19. und 20. Jahrhundert sind. Jugendstil wie Lebensreformbewegung bezogen sich teilweise auf vorgeblich vorchristliche Überlieferungen, so bei Ludwig Fahrenkrog.

20. Jahrhundert

SchlĂŒsselveröffentlichungen im angelsĂ€chsischen Raum

Einflussreiche Veröffentlichungen jener Zeit waren unter anderem „Der goldene Zweig“ von James George Frazer, „Die weiße Göttin“ von Robert Graves und „Der Hexen-Kult in Westeuropa“ und „God of the Witches“ von Margaret Alice Murray sowie „Aradia, or the Gospel of the Witches“ von Charles Godfrey Leland. Diese BĂŒcher erwiesen sich vor allem fĂŒr die GöttinnenspiritualitĂ€t und das moderne Hexentum, Wicca und Stregheria, aber teilweise auch fĂŒr das moderne Druidentum als außerordentlich wichtig, da viele Elemente, die spĂ€ter unter anderem bei Gerald Brosseau Gardner auftreten, hier zum ersten Mal vorweggenommen wurden.

Gerald Gardner begrĂŒndete in den 1920er Jahren die Wicca-Religion,cite-ref-53[53] die von Vivianne Crowley und Doreen Valiente weiterentwickelt wurde. Viele der unterschiedlichen Wicca-Richtungen entwickelten sich im Gegensatz zu den meisten neuheidnischen Bewegungen synkretistisch.

Völkische Bewegung

Deutsch- und germanischglĂ€ubige Gemeinschaften, die der völkischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zugerechnet werden, wandten sich vom Christentum ab und waren auf der Suche nach einer arteigenen Religion.cite-ref-schnurbein1993-46ff-54-0[54] Das fĂŒhrte zu sehr unterschiedlichen religiösen EntwĂŒrfen, die an germanische und deutsche Traditionen anknĂŒpfen wollten.

Von Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels wurde in Deutschland und Österreich die Ariosophie entwickelt, die Rassismus und Antisemitismus mit germanischer Mythologie verband und auch auf Elemente der modernen Theosophie zurĂŒckgriff. List versuchte durch seine Schriften und den „Hohen-Armanen-Orden“ (HAO), eine Wotansreligion wiederzubeleben. Wichtig waren dabei Runeninschriften und auf germanischer Mythologie basierende Riten; diese wurden auch vom Germanenorden weitergefĂŒhrt. Die DeutschglĂ€ubige Gemeinschaft und die spĂ€ter in der Deutschen Glaubensbewegung zusammengeschlossenen Gruppen wollten dagegen im Allgemeinen keine naive Wiederaufnahme des alten Wotankults, sondern versuchten eine „Synthese germanischer SpiritualitĂ€t aus den skandinavischen Sagas und der islĂ€ndischen Edda mit der deutschen mystischen Tradition und der idealistischen Philosophie“.cite-ref-gc2komplettzitat-55-0[55]

Einzelne Nationalsozialisten wie Heinrich Himmler waren von ariosophischen und neopaganen Vorstellungen beeinflusst. Insgesamt spielten religiös-völkische Organisationen wie die Artamanen innerhalb des Nationalsozialismus ein Dasein als sektiererische Splittergruppe. Neuheidnische Standpunkte hatten unter Himmlers Protektion einen intensiven Einfluss auf einzelne Forschungsprojekte, zum Beispiel in der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe oder im Fach Rechtsgeschichte.cite-ref-56[56]

Die Wirkungsgeschichte von Ariosophie und völkischem Neuheidentum setzte sich in einzelnen heutigen Gruppen fort, etwa in der Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemĂ€ĂŸer Lebensgestaltung.cite-ref-57[57] Auf die Ariosophie gehen einige odinistische Kulte insbesondere in den USA zurĂŒck,cite-ref-gc2komplettzitat-55-1[55] außerdem der Armanen- und Goden-Orden. Als Vertreter der Neuen Rechten mit neuheidnischen Aspekten gelten unter anderem der französische Publizist Alain de Benoistcite-ref-58[58] sowie Roberto Fiore (EuropĂ€ische Nationale Front), der sich auf Corneliu Zelea Codreanu bezieht.

Vertreterin eines unitarischen Neopaganismus war Sigrid Hunke, die Mitglied der Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft und spÀter des Bundes Deutscher Unitarier war.

MĂŒnchner Kosmiker

Der neopagan inspirierte Kreis der Kosmiker um Ludwig Klages, Stefan George (zeitweise), Karl Wolfskehl und den Mystagogen Alfred Schuler hatte Einfluss auf verschiedene heutige Akteure in der esoterischen Szene wie weit darĂŒber hinaus.cite-ref-59[59] Es wurde auch versucht, paganistische Kulte wiederzubeleben oder zu konstruieren.cite-ref-60[60]

Ludwig Klages wurde im 20. Jahrhundert in Teilen der Natur- und Heimatbewegung rezipiert. Entsprechende Autoren betonten einen Naturschutzgedanken auf Basis der angenommenen UrtĂŒmlichkeit, insbesondere der deutschen Natur in der Tradition des völkischen Heimat- und Landschaftsschutzes und einer antik begrĂŒndeten neuheidnischen „Naturphilosophie“.cite-ref-61[61]

Internationale Renaissance ab den 1960er Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten zunĂ€chst vor allem die heidnisch-okkulten Ordensgemeinschaften und das moderne Druidentum, wie die verschiedenen AuslĂ€ufer der völkischen Esoterik, weiter. Erst in den 1960er und 1970er Jahren setzte infolge der New-Age-Bewegung eine Wiederbelebung des Neopaganismus ein, die seit den 1980er Jahren in der internationalen Popkultur Spuren hinterließ.cite-ref-bbc-46-1[46]

Aus den frĂŒhen mesopaganen Druidenorden entstanden explizit neopagane Gruppen wie der Orden der Barden, Ovaten und Druiden (OBOD). Die Wicca-Bewegung breitete sich ĂŒber Großbritannien, Europa und die USA aus. In ihrem Gefolge wurden weitere Formen und AusprĂ€gungen des modernen Hexentums wie Stregheria oder Dianic popularisiert und vermischten sich mit Feminismus und Ideen der politischen Linken. Seit den 1970er Jahren gewannen auch verschiedene neue AusprĂ€gungen des germanischen Neuheidentums weiter an Verbreitung, vor allem die Asatru-Bewegung, die aus der Rekonstruktion skandinavischen Brauchtums entstand. Sie bemĂŒht sich in Deutschland darum, sich von „NS-Esoterik“ abzusetzen.cite-ref-62[62] Es gibt neuheidnische Gruppierungen, die sich ausdrĂŒcklich von rechtsextremen Tendenzen und antisemitisch-rassistischer Ideologie distanzieren. Beispiele fĂŒr solche Gruppen sind der Steinkreis oder der Rabenclan. Reclaiming ist eine neuheidnische Organisation, fĂŒr die politisches Engagement fĂŒr Umweltbewusstsein im Sinne der Tiefenökologie, Feminismus und VölkerverstĂ€ndigung Teil ihres SelbstverstĂ€ndnisses ist. Die neuheidnische Bewegung hat seit der umweltpolitischen Gesellschaftskritik in den 1970er Jahren erheblichen Zulauf. Überall spielen Ökologie, Ganzheitlichkeit und SpiritualitĂ€t eine zentrale Rolle. Zumeist im Wege individueller „Bewusstseinserweiterungen“ möchte man zu einer Lebensweise- oder zumindest einer Weltanschauung „im Einklang mit der Natur“ gelangen.cite-ref-63[63]

Seit den 1980er Jahren gibt es einen Trend zu rekonstruierenden Religionen, die versuchen, die alten Religionen anhand von Quellen wiederzubeleben,cite-ref-64[64] so unter anderem der keltische Rekonstruktionismus und der Hellenismos. Im heutigen Heidentum findet ein Prozess fortwĂ€hrender Ausdifferenzierung zwischen „Traditionalisten“ und „Modernisten“ statt.cite-ref-gr-bel2003-517-65-0[65] Die „Traditionalisten“ versuchen, mit Hilfe der historischen Wissenschaften und den alten lĂŒckenhaften Überlieferungen möglichst originalgetreu die vorchristlichen Religionen zu rekonstruieren und zu beleben.cite-ref-gr-bel2003-517-65-1[65] Die „Modernisten“ versuchen, vom Stand der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgehend, eine Religion des Einklangs der beseelten Natur mit dem Menschen – wie in animistischen Religionen – zu leben. Sie bekennen sich dazu, neue religiöse Formen zu erschaffen.cite-ref-gr-bel2003-517-65-2[65] Seit den 1990er Jahren hat ein Prozess der Institutionalisierung eingesetzt, welcher dazu fĂŒhrt, DachverbĂ€nde zu bilden (zum Beispiel „Pagan Federation“). Viele Neuheiden aber lehnen jede Verbandsform als „nichtheidnisch“ ab.cite-ref-gr-bel2003-517-65-3[65]

Rezeption der Hexenbilder

In der völkischen Bewegung wurden rationalistische und romantische Hexenbilder des 19. Jahrhunderts aufgegriffen. FĂŒr das neuheidnische Hexenbild ist die Interpretation von Jacob Grimm am wichtigsten, der in seiner Deutschen Mythologie den Hexenglauben als Ausdruck des naturcultus unserer vorfahren interpretiert und die Hexen auf weise Frauen zurĂŒckfĂŒhrte, die in der heidnischen Gesellschaft als Heilkundige, Seherinnen und Priesterinnen eine zentrale Funktion erfĂŒllt hĂ€tten. Diese Sichtweise hat in die des Neopaganismus und in die feministische Esoterik sowie die feministische Theologie Eingang gefunden.cite-ref-66[66]

Konflikte mit der Denkmalpflege

Bisweilen kommt es zu Konflikten zwischen Neuheidentum, der ArchĂ€ologie der Ur- und FrĂŒhgeschichte sowie der Denkmalpflege. Zum einen spielen „Kraftorte“ in verschiedenen neopaganen Strömungen eine wichtige Rolle. Von diesen PlĂ€tzen gehen nach neopaganem VerstĂ€ndnis besondere KrĂ€fte aus, die sie fĂŒr die DurchfĂŒhrung von neuheidnischen Ritualen besonders attraktiv machen. Dazu zĂ€hlen unter anderem geschĂŒtzte Boden- und Naturdenkmale, so tatsĂ€chliche oder vermeintliche KultplĂ€tze und prĂ€historische Siedlungs- und BestattungsplĂ€tze wie Megalithen, HĂŒgelgrĂ€ber, eisenzeitliche Viereckschanzen und exponierte EinzelbĂ€ume.

Manche Formen der kultischen Nutzung, so die Errichtung von Steinkreisen, GrĂ€ben oder Ă€hnlichen Gebilden, fĂŒhren zu SchĂ€den, die sich im zeitlichen Umfeld von besonderen Tagen wie Winter- oder Sommersonnenwende hĂ€ufen können.

Eine AusĂŒbung der neoheidnischen Religionen soll und kann durch die staatliche Denkmalpflege und archĂ€ologische Forschungseinrichtungen nicht verhindert werden. Kritisch betrachtet werden die konkrete Verwendung wie auch der unterstellte Missbrauch von archĂ€ologischen und schriftlichen Quellen zur Rekonstruktion von angeblich uralten Religionen.cite-ref-67[67]

Indes ist eine besondere Ausstrahlung, der Zauber eines Ortes, Objekts oder Bauwerks auch nach den Regeln und Vorgaben der Denkmalpflege eine wesentliche Voraussetzung der Unterschutzstellung, ob nach dem Alterswert Alois Riegls oder dem modernen bzw. postmodernen Denkmalkultus nach Michael Petzet.cite-ref-68[68] Petzet sieht Verehrung und Respekt gegenĂŒber DenkmĂ€lern als essentielle Voraussetzung, um diese auch fĂŒr kĂŒnftige Generationen verfĂŒgbar zu halten.

Neopagane Hochfeste

| Termin | germanisch | baltisch | irisch-keltisch | Alternativname | christlich |
|---|---|---|---|---|---|
| 1.–2. Februar | Disting (Lichtfest) | PerkĆ«no diena | Imbolg | | Lichtmess |
| 21.–23. MĂ€rz | Ostara | Pavasario saulėgrÄŻĆŸa | Latha na Cailliche | FrĂŒhjahrs Ă€quinoktium | Ostern |
| 30. April–1. Mai | Walpurgisnacht | | Beltane | Nacht auf den 1. Mai | n/a |
| 21.–22. Juni | Mittsommer , Litha | Rasa (Joninės, Lyguo) | Oiche Fheile Eoghain | Sommersonnenwende | Johannistag |
| 31. Juli–1. August | Schnitterfest | Lammas | Lughnasadh | | St. Peter ad Vincula |
| 21.–22. September | Herbstfest | Rudens saulėgrÄŻĆŸa | Blas an Fhomair | HerbstĂ€quinoktium | Erntedankfest |
| 31. Oktober–1. November | Winternacht | Vėlinės | Samhain | | Allerheiligen , Allerseelen , Halloween |
| 21.–22. Dezember | Jul , Mittwinter | Ćœiemos saulėgrÄŻĆŸa, KĆ«Äios | Dubluachair | Wintersonnenwende | Heiliger Abend |

Die angegebenen Termine sind Richtwerte und aufgrund der Sonnen- und MondstÀnde verÀnderlich. Zur Ausgestaltung siehe Keltischer Jahreskreis und Wicca-Jahreskreis sowie Liste der Germanisch-Neuheidnischen Feiertage.

Kulturelle Rezeption

PopulÀrkultur

Von einigen Soziologen wird modernes Neuheidentum samt seiner Verwendung in der PopulĂ€rkultur als postmodernes PhĂ€nomen wahrgenommen.cite-ref-69[69] Im Gegensatz zu historischen Heiden nutzen neopagane Gruppen zwar vermeintliche oder hergebrachte VersatzstĂŒcke historischer heidnischer Kulturen, sie bleiben aber Bestandteil der modernen Industriekultur, von der sie sich zugleich absetzen. Konstatiert wird etwa bei modernen Hexen eine Sehnsucht nach SpiritualitĂ€t, das BedĂŒrfnis, eigene Macht und StĂ€rke wiederzuentdecken, sowie eine zuweilen eskapistische Selbstinszenierung. Dazu kommt die kommerzielle Nutzung beim Vertrieb von Dienstleistungen von KrĂ€uterkursen bis zum Kartenlegen sowie Publikationen von Romanen bis hin zu Beratungs- und AnleitungsbĂŒchern – wie zum Beispiel im Christentum auch.cite-ref-70[70]

Im Rahmen der Gaia-Hypothese wie der Tiefenökologie erlebten neuheidnische, animistische Glaubensvorstellungen von einer durchgehend belebten beziehungsweise beseelten Natur eine Wiederaufnahme. DarĂŒber hinaus wurden neuheidnische Glaubensvorstellungen in den 1960er Jahren im Rahmen der Hippie-Bewegung breiter wiederaufgenommen. Die dabei von verschiedenster Seite angenommene enge und umweltschonende Beziehung nichtchristlicher, insbesondere indianischer Kulturen zur Natur hĂ€lt einer nĂ€heren ÜberprĂŒfung jedoch nicht stand.cite-ref-ei-71-0[71] Einzelne neoheidnische Symbole und antichristliche Affekte finden sich in gegenkulturellen Erscheinungen wie der Hippiebewegung genauso wie in Massenveranstaltungen totalitĂ€rer Regimes wie auch unter den Bedingungen demokratischer Gesellschaften.

FĂŒr manche nationalistische europĂ€ische Gruppen haben germanische Mythen, Orte wie die Externsteine oder die Wewelsburg, Runen und Symbole wie die Schwarze Sonne Bedeutung. Mitte der 1990er Jahre verbreiteten sich ursprĂŒnglich neuheidnisch-rechte Symbole, Ausdrucksformen und die entsprechende Kulturindustrie in die allgemeine Jugendkultur, etwa durch die Modemarke Thor Steinar.cite-ref-72[72]

FĂŒr Camille Paglia ist Neopaganismus keine Außenseiterkultur, sondern drĂŒckt sich intensivst in der PopulĂ€r- und Popkultur aus.cite-ref-73[73] Paglia bestreitet eine gesellschaftliche SĂ€kularisierung der Moderne. Die jĂŒdisch-christliche Kultur habe das Heidentum niemals besiegt, sondern höchstens in den Untergrund gedrĂ€ngt oder modernistisch verkappt.cite-ref-74[74]

Literatur und Theater

Karin Hagenguth zufolge durchzog neopaganes Denken in erheblichem Maße die englische Literatur des 19. Jahrhunderts.cite-ref-75[75] Diese romantische Strömung, als wichtiger Vertreter unter anderem Samuel Taylor Coleridge, lehnte nicht nur rigide kulturelle und insbesondere kirchlich-christliche Normen ab, sie gewann ihre Kraft auch in der intensiven kritischen Begleitung des technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritts. Auf die Werke der englischen Romantiker geht unter anderem ein intensiver Impuls fĂŒr den modernen Tourismus (vgl. Rheinromantik und „Deutscher Wald“) zurĂŒck. Die neopaganistischen Elemente werden auch in der Moderne als regelmĂ€ĂŸig wiederkehrende RĂŒckbesinnung auf das dionysische Prinzip, auf die Wiederentdeckung des Zugangs zum Rausch gedeutet.cite-ref-modlit-76-0[76]

Eine spezifische AusprĂ€gung im romanischen Bereich findet sich bei dem bedeutenden portugiesischen Lyriker und Autor Fernando Pessoa. Pessoa versuchte einerseits unter dem Stichwort Heteronymie eine Weltanschauung zu rekonstruieren, die ohne das Christentum auskommt. Er selbst schrieb nicht nur unter verschiedensten Heteronymen, sondern ordnete diesen selbst fiktive Personen mit eigenen Biographien, eigenen Schreibstilen, Themen, Motiven und philosophischen Kontexten zu. DarĂŒber hinaus interpretiert er den iberischen Katholizismus mit seiner umfangreichen Heiligenverehrung als verkappten Polytheismus, als Fortbestehen eines Heidentums, das es etwa im Rahmen einer Nationalreligion herauszuarbeiten gelte. Er berief sich dabei unter anderem auf den Neuplatonismus wie Julian Apostata, als dessen Reinkarnation er sich zeitweise empfand.cite-ref-77[77]

Der bedeutende japanische Schriftsteller, homosexuelle und rechtsextreme Politaktivist Yukio Mishima lÀsst in einem seiner Romanecite-ref-78[78] eine Hauptfigur den DreimÀchtepakt als Allianz von deutschem Wald, römischem Pantheon und japanischer Mythologie verklÀren, als Zusammenkunft der heidnischen mÀnnlichen Götter von Ost und West.cite-ref-79[79]

Als postmoderner Vertreter eines literarischen Neopaganismus ist auch Alban Nikolai Herbst interpretierbar, neben dessen immer wieder grundsĂ€tzlich geĂ€ußerter politischer Kritik am Monotheismus vor allem in seinem Roman Wolpertinger oder Das Blau (1993) eine FĂŒlle europĂ€ischer, besonders weiblicher Naturgeister wie Titania (aus dem Sommernachtstraum von William Shakespeare) und Lan-an-SĂ­dhe das Geschehen bestimmen, die auf der Flucht vor ihrer Vernichtung durch die rationale Entmythisierung „in die Technik emigriert“ seien, die sie nun zunehmend okkupierten. Herbst stellt antike und spĂ€tere Naturgottheiten gleichberechtigt nebeneinander, hat aber nicht Gottheiten im Blick, sondern sich unter die Menschen mischende Geister wie Feen, Elben, Kobolde, DĂ€monen, Trolle und dergleichen. Gerade letztere zeigten ihre neumediale PrĂ€senz auffĂ€llig oft im Internet, ebenso wie an Computerviren gerne DĂ€monennamen vergeben wĂŒrdencite-ref-80[80] und sogar die „offizielle“ Benennung eines Email-Irrtums Mailing Daemon laute. In Herbsts „Anderswelt“-Trilogiecite-ref-81[81] wird etwa mit Niam Goldenhaar eine Geistin aus der keltischen Mythologie handlungs-, also geschichtsbestimmend. Dies ist bei Herbst keine belletristische Fantasy, sondern er bezeichnet es als „bewußte Fiktion“ fĂŒr einen neuen, von ihm „kybernetisch“ genannten Realismuscite-ref-82[82], der unsere tatsĂ€chliche Gegenwart bestimme, insofern sich in ihrer Wahrnehmung Fiktionen und RealitĂ€t ununterscheidbar vermischten und also auch diese Fiktionen zu objektiven Handlungen fĂŒhrten.cite-ref-83[83]

Musik

Neopagane Inhalte und EinflĂŒsse finden sich etwa seit den 1960er Jahren in vielerlei Form sowohl in der Popmusik als auch im musikalischen Untergrund wieder. Eine Vorreiterrolle kam hierbei dem britischen R&B- und Jazz-Musiker Graham Bond zu.cite-ref-adsop-thelema-84-0[84] Dabei finden sich magisch-okkulte Inhalte, beeinflusst von Aleister Crowleys Thelema-Lehre, in den MusikstĂŒcken. Die britische Hard-Rock-Band Led Zeppelin war teilweise von okkulten und keltischen Themen beeinflusst,cite-ref-adsop-thelema-84-1[84] und die Progressive-Rock-Band Black Widow ließ sich vom bekannten Wicca-Priester Alex Sanders beraten, der unter anderem Rituale fĂŒr ihre BĂŒhnenshow entwarf.cite-ref-adsop-thelema-84-2[84] Ebenfalls Angehöriger der Wicca-Bewegung war der amerikanische Folkbarde Gwydion Pendderwen, der seine Alben der „alten Religion“ widmete und bis heute fĂŒr zahlreiche Wicca- oder wicca-beeinflusste Progressive- und Psychedelic-Folk-Gruppen als Vorbild fungiert.cite-ref-85[85]cite-ref-86[86] So treten heute auch prominente Wicca- und Neodruiden wie Isaac Bonewits oder Ian Corrigan als Singer-Songwriter im Bereich der Folk-Musik auf.

Ende der 1970er Jahre erschien die erste neopagan inspirierte New-Age-Musik, die ebenso wie teilweise die beginnende Industrial-Bewegung und das davon abgeleitete Genre der Ritual Industrial heidnische und okkulte Inhalte aufgriff, ebenso wie spĂ€ter die verwandte Neofolk-Szene u. a. Death in June, Rose McDowall oder Sixth Comm. Auch im Metal-Bereich wurden bereits frĂŒh heidnische und mythologische Inhalte verarbeitet, so von Black Sabbath mit Odin’s Court und The Battle of Tyr, oder Bands wie Manowar oder Bathory, die sich in ihren Liedern hĂ€ufig mit den altnordischen Sagen beschĂ€ftigten. In den frĂŒhen 1990er Jahren entstanden die Subgenres Pagan Metal und Viking Metal um Gruppen wie Enslaved, In the Woods
, Primordial, Falkenbach und Skyclad, bei denen neuheidnische Inhalte nicht nur inhaltlich eine Rolle spielen, sondern die auch zumeist von sich selbst als neopagan verstehenden Musikern produziert werden. Aber auch außerhalb des Metal-Genres machen sich seit den 1990er Jahren neopagane Inhalte bemerkbar, so zum Beispiel bei den Alternative-Rock-Bands Godsmackcite-ref-87[87] und Rockbitch oder der islĂ€ndischen SĂ€ngerin Björk.cite-ref-88[88] Seit Mitte der 1980er Jahre tauchen neuheidnische Themen allerdings auch mehr und mehr im Umfeld rechtsextremer Musik auf, sowohl im als eher „unpolitisch“ geltenden Vikingrock als auch bei einigen offen neonazistischen Rechtsrock- und NSBM-Gruppen. Andererseits werden neopagane Themen teilweise auch im Umfeld des linksradikalen Anarcho-Punks und Crustcores behandelt, so bei den Bands The Dagda, Oi Polloi oder Earth Culture oder den Post-Punk-Gruppen New Model Armycite-ref-89[89] und Killing Jokecite-ref-90[90]. Um Gruppen wie Hagalaz’ Runedance, Omnia oder Faun existiert mit dem Pagan-Folk mittlerweile ein eigenes neopaganes Subgenre innerhalb der Folk- und Mittelaltermusik. Teilweise gibt es auch in der Gothic-Szene neopagane EinflĂŒsse zu verzeichnen, so bezeichnet die britische Gothic-Rock-Band Inkubus Sukkubus ihren Stil selbst als „Pagan Rock“.cite-ref-91[91] Im Internet existieren zahlreiche Seiten von Musikfans, Gruppen und Plattenlabels, die sich speziell an ein neopaganes Publikum richten. In den USA ist das „Heartland Spiritual Gathering“ ein eigenes neuheidnisches Musikfestival fĂŒr den neopaganen Musikmarkt. Neopagane EinflĂŒsse sind auch vermehrt in der Rave-Szene aufzufinden, wo sich vor allem Musikstile wie Trance und Goa auf ekstatische, schamanoide, Trance und durch psychoaktive Substanzen verĂ€nderte BewusstseinszustĂ€nde berufen,cite-ref-92[92] so vermischt sich Tranceerleben mit esoterischen und paganen Vorstellungen zu einer Form von „Techno-paganismus“.cite-ref-93[93] Pagane Elemente werden auch in Festivals wie dem Burning Man entdeckt.cite-ref-94[94]

Bei Fans und Außenstehenden ist mitunter ein Streitpunkt, was bereits als „pagan“ zu bezeichnen ist und was noch nicht. In einigen FĂ€llen lassen sich die heidnischen Inhalte auf bloßen Symbolismus oder relativ oberflĂ€chliche Spielereien im Rahmen der New-Age-Esoterik reduzieren. So benutzen zum Beispiel einige Metal-Bands den Neopaganismus aus rein Ă€sthetischen GrĂŒnden zur Konstituierung des Archaischen und der MĂ€nnlichkeit wie als konstituierendes Element der Subgenres Viking Metal und Pagan Metal. Dabei wird in der Metal-Szene zuweilen die Geste der Teufelshörner, einer erhobenen Faust mit ausgestrecktem Zeigefinger und kleinem Finger, verwendet.cite-ref-95[95] Bei Rechtsrock-Bands wird das Neuheidentum, vor allem Ariosophie, aus GrĂŒnden der Provokation oder im Rahmen rechtsradikaler Symbolik verwendet. Andere Gruppen jedoch beschĂ€ftigen und identifizieren sich durchaus ernsthaft mit vorchristlicher Religion und Philosophie oder bestehen aus glĂ€ubigen Neuheiden. In einigen FĂ€llen wird auch definitiv nicht neopagan intendierte Musik wie Clannad, Enya, Jethro Tull oder die schwedischen Folkrocker Garmarna von Neuheiden als „heidnisch“ empfunden und bezeichnet. So werden mythologische, spirituelle oder folkloristische Inhalte verarbeitet, die paganes Publikum wie den Mainstream ansprechen.

Politik und Gesellschaft

Die politische Ausrichtung von neuheidnischen Gruppen ist sehr unterschiedlich. Das Wiccatum und verwandte Bewegungen wie die Göttin-SpiritualitĂ€t sind nach unterschiedlichen SchĂ€tzungen von mehreren Tausend mit bis zu 100.000 AnhĂ€ngern in Deutschland die grĂ¶ĂŸte neuheidnische Richtung.cite-ref-remid-2-1[2] Sie sind zumindest von ihrem Habitus her eher dem linken Teil des politischen Spektrums zugehörig. Feminismus und der Schutz der natĂŒrlichen Umwelt sind fĂŒr sie wichtige Anliegen. Insbesondere fĂŒr Frauen sind diese Gruppen sehr attraktiv, da hier im Unterschied zu den großen monotheistischen Religionen auch eine weibliche Gottheit verehrt wird und speziell ihre spirituellen BedĂŒrfnisse berĂŒcksichtigt werden. Einige Wicca-Gruppen und verwandte Richtungen wie die Reclaiming-Tradition um Starhawk sind in der Umwelt- und der globalisierungskritischen Bewegung politisch aktiv und beteiligen sich zum Beispiel an Aktionen des zivilen Ungehorsams.cite-ref-remid-2-2[2]cite-ref-96[96] Innerhalb der amerikanischen neuheidnischen Szene ist Pagan Pride seit 1997 eine Bewegung, die versucht, ein positives öffentliches Bild des Neopaganismus zu schaffen. Zu diesem Zweck werden unter anderem weltweit Pagan-Pride-Day-Festivals organisiert, deren Erlöse karitativen Zwecken wie Umweltschutz, Tierschutz und Opfern von hĂ€uslicher Gewalt zugutekommen.cite-ref-97[97]

Im neugermanischen Heidentum existieren neben explizit antifaschistischen Gruppen wie der Nornirs Ætt auch rassistische bzw. solche, die biologistische, bioregionalistische und ethnopluralistische Vorstellungen vertreten, so der Odinic Rite,cite-ref-98[98] aus dem sich in Deutschland der Verein fĂŒr Germanisches Heidentum abspaltete. Die Artgemeinschaft ist Bestandteil der rechtsextremen Szene und vertritt rassistische Vorstellungen. Neuheidnische Jahreskreisfeiern zur Sommer- und Wintersonnenwende sind auch ein wichtiges Element der AktivitĂ€ten von rechtsextremen Jugendgruppen. Diese Feiern dienen dazu, die eigene IdentitĂ€t sowie den inneren Zusammenhalt zu stĂ€rken und sich von anderen Gruppen abzusetzen. Die neuheidnisch geprĂ€gte Ideologie erlaubt es zudem Frauen im deutschen Rechtsextremismus, eine wesentliche Rolle zu ĂŒbernehmen.cite-ref-99[99]

Begriffe und Symbole aus der nordischen Mythologie wie der Mjölnir sind bei Neuheiden sowie darĂŒber hinaus auch in vielen Jugendkulturen, zum Beispiel solchen, die der schwarzen Szene zugerechnet werden, weit verbreitet. Sie werden seit der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre verstĂ€rkt von Rechtsextremisten genutzt, sind aber per se kein Hinweis auf rechtsextreme Gesinnung.cite-ref-100[100] Aufgrund der Problematik rechtsextremer Strömungen innerhalb des Neopaganismus entstanden einzelne Initiativen, um einer ideologischen Vereinnahmung entgegenzuwirken, so unter anderem die Kampagne Heidentum ist kein Faschismus. Heiden fĂŒr Menschenrechte.cite-ref-101[101]

Rassistischer Wotankult in den USA

In den USA muss man zwischen den kosmopolitischen ÁsatrĂș-Vereinigungen, welche den Großteil der Neuheiden ausmachen, und einigen kleineren rassistischen Sekten, die das christliche Erbe des Westens ablehnen, unterscheiden. Letztere Ă€hneln in ihrer manchmal brutalen Abgrenzungspolitik den noch einflussreicheren Vertretern einer rassistischen Christian-Identity-Bewegung, zu der auch der Ku-Klux-Klan und die dem Terrorismus nahestehende Organisation Aryan Nations gehören. Die „Frontlinie des rassistischen Heidentums“ – mit AnhĂ€ngern auch in Europa, SĂŒdafrika und Australien – bildet ein Odin-(Wotan)kult, dessen UrsprĂŒnge in der deutschen und österreichischen völkischen Bewegung liegen, beim Ariosophen Guido von List, dem Armanen-Orden und der DeutschglĂ€ubigen Gemeinschaft.cite-ref-102[102]

BegrĂŒndet wurde der rassistische Odinismus in den USA 1969 mit der Odinist Fellowship Else Christensens, die in den 1930er Jahren dem linken Strasser-FlĂŒgel der DĂ€nischen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehört hatte. Sie war unter anderem durch Carl Gustav Jung beeinflusst und sah in dessen Terminologie Archetypen des Unbewussten als rassespezifisch verankert an.cite-ref-103[103]

Mehr an Ritualen und nordischer Magie als an Denksystemen interessiert war Steve McNallens ÁsatrĂș Free Assembly (AFA). Dessen Versuche ab 1978, Rassisten und Neonazis aus der AFA zu entfernen, fĂŒhrten zu radikaleren AktivitĂ€ten in der odinistischen Bewegung. Wyatt Kaldenberg veröffentlichte in seinem Magazin Pagan Revival wĂ€hrend der 1990er Jahre vulgĂ€re, Gewalt verherrlichende Tiraden, in denen er seine manichĂ€ische Weltsicht ausdrĂŒckte: Geschichte sah er als Schlacht zwischen den göttlichen Ariern und den gegen die Natur gerichteten KrĂ€ften des judĂ€ischen Christentums an.cite-ref-kaldenberg-104-0[104]

Die neonazistische Organisation White Aryan Resistance wurde vom frĂŒheren Ku-Klux-Klan-FĂŒhrer Tom Metzger gegrĂŒndet, der von Aryan Nations beeinflusst warcite-ref-105[105] und sie bis heute fĂŒhrt. Auch Kaldenberg schrieb fĂŒr White Aryan Resistance Artikel.cite-ref-kaldenberg-104-1[104] ErwĂ€hnt werden muss auch Wotansvolk, 1995 gegrĂŒndet von David und Katja Lane sowie Ron McVan.cite-ref-106[106]

Siehe auch

‱ Keltomanie

Literatur

AufsÀtze

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‱ Hubert Cancik: Neuheiden und totaler Staat. Völkische Religion am Ende der Weimarer Republik. In: Ders. (Hrsg.): Religions- und Geistesgeschichte der Weimarer Republik. Patmos-Verlag, DĂŒsseldorf 1982, ISBN 3-491-77248-6, S. 176–212.
‱ Henning Eichberg: Kommen die alten Götter wieder? Germanisches Heidentum im 19/20. Jahrhundert – Zur Genese alternativer Mythen. In: Bernd Thum (Hrsg.): Gegenwart als kulturelles Erbe. Ein Beitrag der Germanistik zur Kulturwissenschaft deutschsprachiger LĂ€nder. Iudicium, MĂŒnchen 1985, S. 131–172, ISBN 3-89129-022-5.
‱ Ulrich Kaiser: Esoterik im Internet: das komplette Info-Highway-Angebot: Cyberreligionen, Neo-Heidentum, Freimaurer, I Ging, neue Hexen, PSI, Voodoo, Tarot und vieles mehr 
, Heyne, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-453-12302-6.
‱ Aidan A. Kelly: Neo-Pagans and the New Age. In: John Gordon Melton, Jerome Clarke, Aidan A. Kelly (Hrsg.): New Age Encyclopedia. Gale Research Publ. Detroit 1990, ISBN 0-8103-7159-6, S. 311–315.
‱ Uwe Puschner: Weltanschauung und Religion, Religion und Weltanschauung. Ideologie und Formen völkischer Religion. In: zeitenblicke, Bd. 5 (2006), Nr. 1 (online).
‱ Stefanie von Schnurbein: Die Suche nach einer „arteigenen“ Religion in „germanisch-“ und „deutschglĂ€ubigen“ Gruppen. In: Uwe Puschner, Walter Schmitz und Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. Saur, MĂŒnchen u. a. 1996, ISBN 3-598-11421-4, S. 172–185.
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BĂŒcher

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‱ Richard Faber, Renate Schlesier (Hrsg.): Die Restauration der Götter. Antike Religion und Neo-Paganismus. Königshausen + Neumann, WĂŒrzburg 1986, ISBN 3-88479-211-3.
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‱ Joanne Pearson (Hrsg.): Nature Religion Today. Paganism in the Modern World. University Press, Edinburgh 1998, ISBN 0-7486-1057-X.
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‱ Sian Reid (Hrsg.): Between the Worlds. Readings in Contemporary Neo-Paganism. Canadian Scholars’ Press, Toronto 2006, ISBN 978-1-55130-314-7.
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‱ Karlheinz Weißmann: Druiden, Goden, Weise Frauen. ZurĂŒck zu Europas alten Göttern. Herder, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-451-04045-X.

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: Neopaganismus

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Wiktionary: Neopaganismus

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‱ Literatur von und ĂŒber Neopaganismus im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ FAQ von Eric Raymond mit einer Auflistung von Prinzipien (engl.)
‱ Kai Funkschmidt: ÁsatrĂș (germanische Neuheiden), Berlin 2021
‱ Georg Schmid: Neuheidentum, RĂŒti/ZĂŒrich 2002/2006

Einzelnachweise

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